Was ist Systemische Organisationsberatung
Eine Systemaufstellung ist eine Übung innerhalb einer in Seminarform angebotenen Veranstaltung und der Oberbegriff für verschiedene Aufstellungsformate, von denen die Systemaufstellung die bekannteste ist. Allen Aufstellungsformaten gemeinsam ist die Vorgehensweise, dass Personen als sogenannte Vertreter eine Benennung – (im Sinne von „Vertreter für …“) – erhalten, im Raum aufgestellt werden und im Zuge einer Prozessarbeit nach ihrer Wahrnehmung innerhalb des aufgestellten Systems befragt werden. Ein Kernpunkt des methodischen Vorgehens bei der Durchführung von Systemaufstellungen ist es, insbesondere solche Systemdynamiken durch die Aufstellungsmethode zu betrachten, die durch logisch rationale Erwägungen i.a. weniger effektiv erfahrbar gemacht werden können. Zielsetzungen können dabei auch allgemeine Klärungsanliegen oder Fragen zum Management und System innerhalb sozialer Systeme (z. B. bei Fragen aus dem beruflichen Kontext) wie z. B. bei Organisationsaufstellungen oder Strukturaufstellungen sein. Bei Drehbuchaufstellungen wird z. B. die Publikumswirksamkeit oder auch Stimmigkeit literarischer Werke durch den jeweiligen Autor erörtert bzw. hinterfragt. Bei allen Systemaufstellungen wird davon ausgegangen, dass die Vertreter in dem so aufgestellten System Aussagen machen (können), die den Aussagen bzw. Dynamiken des realen Systems nahe kommen und so eine Hilfe für Entscheider darstellen.
Allgemein anerkannte wissenschaftliche Erklärungen für die auftretenden Effekte (die auch mit „repräsentierender Wahrnehmung“ umschrieben werden) fehlen. Das morphogenetische Feld (für Systemaufstellungen auch „das wissende Feld“ genannt) wurde als Grundlage für ein theoretisches Erklärungsmodell auf Fachkongressen erörtert. Auch von der Transpersonalen Psychologie erwarten Befürworter Ansatzpunkte für Erklärungsmodelle.
Systemische Aufstellungen sind mittlerweile Gegenstand wissenschaftlich universitärer Untersuchungen, Diplomarbeiten
Um die Aussagen und die Wirksamkeit von Aufstellungen abzuklären, können z. B. folgende Maßnahmen durchgeführt werden und wurden in experimentellem Rahmen durchgeführt:
Parallelaufstellung: Dieselbe Aufstellung zeitgleich in von einander getrennten Räumen durchführen und die Aussagen vergleichen
Repräsentantenwechsel: Einzelne Vertreter einer Aufstellung während der Aufstellung durch andere Personen austauschen.
Vergleichbarkeiten:
Durch die Benennung, die die Vertreter erhalten und durch ihr erklärtes Einverständnis, als „Vertreter für …“ aufgestellt zu werden erhalten diese bereits (unabhängig davon, dass sie zum Anliegen des aufstellenden Klienten indifferent bzw. unbefangen sind bzw. sein sollten) bereits eine Art Suggestion bzw. Präparation ihrer Wahrnehmung bzw. Wahrnehmungsfilter. Diese Präparation wird unterstützt durch eine ritualisierte und gesammelte Art und Weise wie die Vertreter aufgestellt werden: Nämlich in der Weise, dass der Vertreter sich durch die Führung des Aufstellenden bereitwillig und gesammelt (im Sinne von aufmerksam) an ihren Platz führen lassen und damit bereits in eine Art (mechanisch induzierten) Rapport und Rollenannahme gehen lassen. Ersteres kann jedoch nicht für die sog. verdeckte Aufstellung gelten.
verdeckte Aufstellung: Die Vertreter erfahren vor oder während der Durchführung der Aufstellung nicht, für welche Benennung sie als Vertreter gewählt wurden.
Die Aussagen einer Aufstellung sind als probabilistische Aussagen in ihrer Gesamtstruktur und als Wahrscheinlichkeiten anzusehen, vergleichbar mit dem Wahrscheinlichkeitsbegriff wie er in der Quantenmechanik für die Aufenthaltswahrscheinlichkeiten von Teilchen verstanden wird. Von daher sind konkrete Einzelaussagen nicht als absolut wahr oder sicher für das reale System anzusehen und mit einer gewissen Unschärfe behaftet. Dies schmälert jedoch den Wert, der probabilistischen Aussagen einer Aufstellungen von den Befürwortern beigemessen wird in keiner Weise, da die Gesamtaussage einer Aufstellung als Ausgangspunkt für den Abgleich von Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie als Orientierung für das Selbstmanagement genommen werden kann. Gleichwohl kommt es auch häufig vor, dass Aufstellende, die auch das reale System kennen selbst einzelne Aussagen von Vertretern als sehr stimmig für die vertretenen Personen wiedererkennen.